Einfrieren, Hochladen, Weiterleben.

Premiere am 25.9.2019 im Schubert Theater Wien




`Ich hatte mich aufgelöst, ich war unendlich klein, ein Punkt... Aber in dieser Vorstellung lag ja eine gewisse Logik des heutigen Tages, denn der Punkt ist eine völlig unbekannte Größe — er braucht sich nur zu regen, sich fortzubewegen — und er kann sich in tausend verschiedene Kurven, in Hunderte von Körpern verwandeln. Ich habe Angst, mich zu bewegen — in was werde ich mich verwandeln? Mir scheint, dass alle gleich mir die leiseste Bewegung fürchten. Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, sitzen sie in ihren gläsernen Käfigen und warten auf irgend etwas. Kein summender Lift, kein Lachen, keine Schritte sind im Korridor zu hören wie sonst um diese Stunde. Hin und wieder kommen Nummern an meinem Zimmer vorbei; sie gehen auf Zehenspitzen, blicken sich verstohlen um und flüstern miteinander: Was wird morgen sein? In was werde ich mich morgen verwandeln?`


Jevgenij Samjatin, "Wir", 1908




Zu Beginn unserer Stückentwicklung steht eine nahe Zukunft, in der die Philosophie des Transhumanismus Realität wurde. Wir behaupten (künftiges) ewiges Leben, in dem wir die natürlichen Grenzen unserer biologischen Körper verlassen haben und uns in Datenspeicher – in die Cloud – speisen. Unsere eingefrorenen Körper lassen wir in der physischen Welt zurück.

"Einfrieren, Hochladen, Weiterleben." findet seinen Anfang in einem abstrakten Raum, in dem uns, zu Daten transformiert, eine Sehnsucht nach unserer zurückgelassenen Physis ereilt. Rückwärts durch die Zeit gehend, stolpern wir über die das einstige Bestreben, die Grenzen unserer menschlichen Körper zu sprengen und hinterfragen den Wunsch nach einem Leben ohne Krankheit und Tod.

Wir begeben uns in ein Heute, in dem an scheinbar unsterblichen Tieren geforscht wird, um deren genetische Verwandschaft zu entschlüsseln und Eigenschaften auf uns zu übertragen. Unsre Sehnsucht gilt ebenso dem Plattwurm, der zerstückelt immer wieder nachwächst und sich vervielfältigt, wie dem Wimperntierchen mit seinen 7 Geschlechtern und seiner Unsterblichkeit. Sind dies Körper, in die es sich – anstelle unsrer auftaubereiten menschlichen Hülle – zurückzukehren lohnt? Oder ist es doch der stillgelegte, eigene Körper? Wir setzen unsere Hoffnung in Telomere, künstlich gezüchtete Organe, Auftauexperimente.



‘Natürlich können wir auch viel erreichen, wenn wir menschlich bleiben. Aber wir können höhere Gipfel erklimmen, wenn wir unsere Intelligenz, unsere Entschlossenheit und unseren Optimismus dafür einsetzen, die menschliche Puppe zu druchstoßen.`

Max More, 2016


"Endlich die Endlichkeit überwinden!" Artikel über unsere Produktion von Jana Schulz -> GO!




Idee, Konzept, Fassung: Spitzwegerich

Spiel, Puppenbau, Bühne, Kostüme: Birgit Kellner, Christian Schlechter

Musik, Spiel: Manfred Engelmayr

Schauspiel: Simon Dietersdorfer

End-Regie, Dramaturgie: Alex.Riener

Choreografie: Martina Rösler, Emmy Steiner

Licht: Ines Wessely

Grafik: Birgit Kellner

Mitarbeit Ausstattung: Isabella Pröll

Beratung: Christoph Bochdansky

Presse: Simon Hàjos

Produktion: Spitzwegerich, Lisa Zingerle



Fotocredits: Daniel Sostaric





„Einfrieren, Hochladen, Weiterleben.“ ist eine Produktion von Spitzwegerich in Kooperation mit dem Schubert Theater und dem Werk-X/Petersplatz und wird unterstützt von der Kulturabteilung der Stadt Wien, dem SKE-Fonds/Austro Mechana und von dem Bundeskanzleramt für Kunst und Kultur.